Teilprojekt A3 Abgasstrahlanalyse

Das Projekt umfasst die Entwicklung der automatisierten Erkennung von defekten Komponenten im Heißgaspfad von Flugtriebwerken durch eine berührungslose Analyse der Dichteverteilung im Abgasstrahl mit der Background-Oriented Schlieren (BOS) Methode

MOTIVATION UND ZIELSETZUNG

Abgasstrahlanalyse mit der BOS-Methode

Für eine Detektion defekter Komponenten in Flugtriebwerken müssen diese aktuell demontiert werden. Der Reparaturaufwand und somit die Stillstandzeit des Triebwerks lässt sich daher aktuell nur sehr schlecht vorhersagen, da die vorliegenden Beschädigungen erst im laufenden Regenerationsprozess sichtbar werden. Der Regenerationsprozess ist somit nicht nur zeit- und kostenintensiv, sondern hat auch eine große Unsicherheit in der Planung.  Im Teilprojekt A3 wird eine Methodik entwickelt, die eine Zustandsbeurteilung von Triebwerken vor der Demontage ermöglicht. Die Idee ist, dass defekte Komponenten im Heißgaspfad (HGP, Bereich stromab der Brennkammer) von Triebwerken einen Einfluss auf die lokale Dichteverteilung in der Strömung haben, welche sich als Unregelmäßigkeiten in der Dichteverteilung bis in den Abgasstrahl ausbreiten. Mit der Background-Oriented Schlieren (BOS) Methode können diese Unregelmäßigkeiten im Abgasstrahl berührungslos detektiert werden und es kann ein Rückschluss auf den zugrundeliegenden Defekt im Triebwerk gezogen werden. Somit ist es einerseits möglich Triebwerke schnell auf Beschädigungen zu prüfen, um diese bedarfsgerecht zu warten und die frühzeitige Identifikation von Beschädigungen erlaubt eine verbesserte Planung der nachfolgenden Instandhaltung der Triebwerke.  

ERGEBNISSE

In den ersten beiden Förderperioden des SFB konnte bereits numerisch gezeigt werden, dass defekte Komponenten im Abgasstrahl einen Einfluss auf die Dichteverteilung im Abgasstrahl haben und hier mit tomographischen BOS Messungen detektiert werden können. Mit Hilfe von Mustererkennungsalgorithmen ist es weiterhin möglich, die rekonstruierten Dichteverteilungen im Abgasstrahl automatisiert zu analysieren und so Defekte automatisch zu erkennen. Neben diesen numerischen Untersuchungen konnte am Hubschraubertriebwerk des TFD die grundsätzliche Einsatzmöglichkeit von tomographischen BOS Messungen an Triebwerken gezeigt werden. Tomographische BOS Messungen an einer Modellbrennkammer haben außerdem gezeigt, dass es möglich ist Defekte in Brennkammern anhand der Dichteverteilung im Abgasstrahl mit BOS zu detektieren. Durch eine Weiterentwicklung der tomographischen Auswertealgorithmen können bereits sehr kleine Abweichungen in der Leistung eines Brenners einer Ringbrennkammer detektiert werden.

Dichteverteilung im Abgasstrahl eines Drallbrenners ohne Defekt (links) und mit einem Brennerausfall (rechts).

AKTUELLE ARBEITEN UND AUSBLICK

Zum Abschluss des Projektes in der laufenden dritten Förderperiode des SFB soll die entwickelte Methodik an einem realen Triebwerk validiert werden. Zu diesem Zweck werden in zwei Messkampagnen definierte Defekte in ein Triebwerk eingebracht und der Abgasstrahl mit tomographischem BOS rekonstruiert. Der Einfluss der Defekte auf den Abgasstrahl wird durch einen Vergleich mit Messungen des Triebwerks im Referenzfall (ohne eingebrachten Defekt) untersucht. Zusätzlich wird der Einfluss der Defekte auf den Abgasstrahl mit einem numerischen Modell vorhergesagt und mit den Ergebnissen der Messungen validiert. Nach dieser erfolgreichen Validierung ist es dann möglich, den Einfluss weiterer Defekte auf den Abgasstrahl numerisch vorherzusagen und so eine Datenbank mit möglichen Schadensfällen aufzubauen. Ein Triebwerk mit einem unbekannten Zustand kann dann später optisch vermessen werden und die Ergebnisse der Messungen mit Hilfe von Mustererkennungsalgorithmen mit der Schadensdatenbank verglichen werden. Somit können Defekte in Triebwerken berührungslos, vor der Demontage detektiert werden.


VERÖFFENTLICHUNGEN

  • Hartmann U.; Seume, J. R. (2016) Combining ART and FBP for improved fidelity of tomographic BOSMeas. Sci. Technol. 27 (9), S. 097001
    DOI: 10.1088/0957-0233/27/9/097001
  • Hartmann, U.; Hennecke, C.; Dinkelacker, F.; Seume, J. R. (2016) Automatic Detection of Defects in a Swirl Burner Array Through an Exhaust Jet Pattern AnalysisIn: J. Eng. Gas Turbines Power 139 (3)
    DOI: 10.1115/1.4034449
  • Adamczuk, R.R.; Luehrmann, J.; Seume, J.R. (2014) Methodology for evaluating hot gas path defects in an exhaust jetAerospace Science and Technology 39 (Vol. 39), S. 120–127
    DOI: 10.1016/j.ast.2014.08.011
  • Adamczuk, R.; Seume, J. R. (2012) Time Resolved Full-Annulus Computations of a Turbine with Inhomogeneous Inlet ConditionsInternational Journal of Gas Turbine, Propulsion and Power Systems 4,2, S. 01–07
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TEILPROJEKTLEITER

Prof. Dr.-Ing. Jörg Seume
Adresse
Appelstraße 9
30167 Hannover
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Appelstraße 9
30167 Hannover

MITARBEITER

M. Sc. Vladislav Pak
Adresse
Appelstr. 9
30167 Hannover
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Appelstr. 9
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